ADHS – eine andere Art, wahrzunehmen und zu verarbeiten
ADHS ist eine neurodivergente Form der Informationsverarbeitung, die sich auf Aufmerksamkeit, Reizverarbeitung, Motivation und Selbstregulation auswirken kann. Dabei geht es nicht um mangelnde Anstrengung oder fehlende Fähigkeiten, sondern um eine andere Art, das eigene Denken, Fühlen und Handeln zu organisieren.
Viele Menschen mit ADHS erleben ihre Umwelt besonders intensiv. Sie nehmen viele Reize gleichzeitig wahr, denken vernetzt, sind kreativ, begeisterungsfähig und finden oft ungewöhnliche Lösungswege. Gleichzeitig können Herausforderungen entstehen, wenn es darum geht, Prioritäten zu setzen, Routinen zu etablieren und aufrechtzuerhalten, Aufgaben zu beginnen oder mit Reizüberflutung und innerer Anspannung umzugehen.
Gerade bei Frauen zeigt sich ADHS häufig weniger offensichtlich. Viele lernen früh, sich anzupassen, zu kompensieren und hohe Anforderungen an sich selbst zu stellen. Dadurch bleiben individuelle Bedürfnisse und Grenzen manchmal lange unterdrückt und nach außen entsteht oft der Eindruck, alles gut im Griff zu haben.
Autismus – eine intensivere Art, die Welt wahrzunehmen
Autismus ist eine neurodivergente Form der Wahrnehmung und Verarbeitung, die beeinflussen kann, wie Menschen Informationen aufnehmen, Zusammenhänge verstehen und mit ihrer Umwelt in Kontakt treten. Dabei geht es nicht um ein „falsch“ oder „richtig“, sondern um eine andere Art, die Welt zu erleben und zu verarbeiten.
Viele autistische Menschen nehmen Details, Muster und Zusammenhänge besonders intensiv wahr. Sie können über besondere Interessen, eine hohe Genauigkeit, tiefgehendes Wissen und eine ausgeprägte Fähigkeit zur Analyse verfügen. Gleichzeitig können Herausforderungen entstehen, wenn die Umwelt reizintensiv, unvorhersehbar oder wenig strukturiert ist.
Auch soziale Situationen können mehr Energie erfordern, wenn unausgesprochene Regeln, Erwartungen oder Veränderungen ständig verarbeitet und eingeordnet werden müssen. Viele Menschen entwickeln im Laufe ihres Lebens Strategien, um sich anzupassen und Erwartungen zu erfüllen. Diese Anpassungsleistung kann jedoch sehr viel Kraft kosten.
Wenn Verstehen Veränderung ermöglicht
Neurodivergenz als Teil der eigenen Geschichte
In meiner psychosozialen Beratung geht es darum, die eigene Wahrnehmungs- und Verarbeitungsweise besser zu verstehen, bisherige Erfahrungen neu einzuordnen und einen stimmigen Umgang mit den eigenen Bedürfnissen, Grenzen und Ressourcen zu entwickeln. Gemeinsam betrachten wir Herausforderungen und entwickeln individuelle Strategien, die zu Ihrer Persönlichkeit und Ihren Lebensumständen passen.
Meine besondere Perspektive liegt darin, alltägliche Lebensthemen und persönliche Herausforderungen immer im Zusammenhang mit der individuellen Wahrnehmungs- und Verarbeitungsweise eines Menschen zu betrachten. Denn ob Trauer, Beziehungsgestaltung, Familienleben, Mental Load, Erschöpfung oder belastende Erfahrungen – die eigene Art zu denken, zu fühlen und die Umwelt wahrzunehmen, beeinflusst, wie wir Herausforderungen erleben, einordnen und bewältigen.
Viele Menschen erhalten erst im Erwachsenenalter eine Diagnose oder beginnen, sich intensiver mit ihrer eigenen Neurodivergenz auseinanderzusetzen. Häufig entsteht dabei ein neues Verständnis für die eigene Lebensgeschichte: Erfahrungen, Herausforderungen und persönliche Besonderheiten können rückblickend anders eingeordnet werden. Dieser Prozess kann helfen, mehr Selbstverständnis, Selbstakzeptanz und einen stimmigen Umgang mit den eigenen Bedürfnissen zu entwickeln.
Meine Stärke liegt darin, diese verschiedenen Perspektiven miteinander zu verbinden und gemeinsam mit Ihnen einen Weg zu entwickeln, der Ihre individuelle Persönlichkeit, Ihre Geschichte und Ihre Lebenssituation berücksichtigt.
